Patricia Carl im Interview mit admedicum

 

Frau Carl, warum haben Sie an dem Programm 2016 teilgenommen?

Andreas Reimann hat mich damals auf das Programm aufmerksam gemacht. Er hat selbst einmal daran teilgenommen und die Verbindung hierzu hergestellt. Das gesamte Programm ist für Verbände, die durch ehrenamtlich Tätige und Spenden gestützt werden, relativ kostspielig. admedicum hat mich mit einem Stipendium bei der Teilnahme an dem Programm unterstützt. Gleichzeitig ist hierüber eine Zusammenarbeit entstanden: Ich habe admedicum bei einer Veranstaltung als Referentin begleitet.

Das tranSektoris-Programm war für mich von Anfang an spannend: Begegnung, Vernetzung und Austausch sind wesentlich – insbesondere in der Selbsthilfe -, um über das eigene Anliegen aufzuklären, aber auch um die Perspektive der Gesprächspartner kennenzulernen und zu verstehen.

Aus welchen Bereichen kamen die Teilnehmenden des Programms 2016? 

Die Teilnehmenden des tranSektoris-Programms kamen sowohl aus dem öffentlichen, als auch dem privatwirtschaftlichen Bereich. Gesetzliche und Private Krankenkassen, das Gesundheitsministerium, aber auch Pharmaunternehmen und andere Wirtschaftsunternehmen des Gesundheitswesens waren bei der Fortbildung 2016 vertreten. Ich selbst war die einzige Patientenvertreterin und betroffene Patientin, die an dem Programm teilgenommen hat. Es war interessant zu erleben, wie die Teilnehmenden das Programm mit der „Brille“ ihres Geschäftsalltages begonnen haben, sich die Grenzen des jeweiligen Sektors jedoch im Laufe der Zeit aufweichten. Jeder hatte die Möglichkeit, die Perspektive des anderen einzunehmen und Einblicke in die Tätigkeiten und Prozesse des Gegenübers zu erlangen.

Was hat Ihnen die Teilnahme gebracht? 

Ein besonderer Wert besteht für mich in der Möglichkeit des Perspektivwechsels. Zum Beispiel nahmen die Teilnehmenden durch Workshops mit Fallbeispiele, Rollen- und Aufgabenzuteilungen die Position anderer Interessensvertretungen ein. Hierdurch bekommt jeder ein diplomatischeres Verständnis für die Motive, Position und Prozesse derjenigen, mit denen man in eigener Sache verhandelt. Im Ergebnis gibt dies sehr sinnvollen Input für die eigene Arbeit.

Einen weiteren Mehrwert bringt das Netzwerk, das durch die Veranstaltung entsteht. Über die gesamte Laufzeit des Programmes hat sich ein angenehmes Miteinander entwickelt und es bestehen Kontakte, die heute in der Zusammenarbeit genutzt werden können. Über das Alumni-Netzwerk von tranSektoris können darüber hinaus Kontakte überregional und zu Teilnehmenden aus anderen Jahrgängen gepflegt werden.

Was war für Sie besonders bemerkenswert?

Bemerkenswert waren insbesondere Einblicke in die Prozesse anderer Unternehmen, beispielsweise in die MRT-Manufaktur von Siemens in Erlangen. In welcher jedes MRT auf Einzelbestellung hergestellt und in die ganze Welt geliefert wird.

Bei den Seminaren selbst ist mir besonders in Erinnerung geblieben, wie die Diversität der Gruppen wertgeschätzt wurde. Obwohl wir alle aus unterschiedlichen Bereichen kommen, entstand über die Zeit der Zusammenarbeit ein Gruppengefühl. Jeder fühlte sich im Austausch wohl: die eigne Position wurde besser verstanden und die gemeinsamen Interessen wurden deutlicher.

Was wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang für die Zukunft?

Das Transektoris-Programm ist in jedem Fall sinnstiftend und sollte weiter fortbestehen. Es ist wichtig, Lösungen sektorenübergreifend zu entwickeln und keine Fronten zu bilden! Die gemeinsamen Interessen sind da: wir wünschen uns alle eine bestmögliche und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung. Sektorenübergreifende Veranstaltungen machen gemeinsame Interessen besser sichtbar und ermöglichen somit eine Prozessentwicklung, bei welcher die Parteien miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.

Grundsätzlich sollten Patientenvertreter an Veranstaltungen dieser Art teilnehmen. Insbesondere solche, die zum interdisziplinären Austausch bereit sind und eine moderne Sichtweise auf Patientenvertretung haben. So kann die Perspektive des Patienten konstruktiv in Zusammenarbeiten eingebracht werden.

Es wäre schön, könnte Patientenvertretern die Teilnahme an solchen Veranstaltungen erleichtert werden: häufig sind Termine für Betroffene, die nebenberuflich in der Selbsthilfe tätig sind, nur schwer mit ihrer Erwerbstätigkeit zu vereinbaren.

Ganz allgemein: Warum sollten Patientenvertreter sich mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen vernetzen?

Patientenvertreter und selbst Betroffene können einen realistischen Einblick in Ihren Alltag geben, bestehende Versorgungskonzepte in ihrer Anwendung reflektieren und Beispiele für Schwierigkeiten und Lösungsoptionen geben. Erfahrungen „echter“ Patienten sind eben authentischer als Hypothesen. Es ist wesentlich, dass Forderungen von Patientenvertretern in ihrem Ursprung verstanden werden.

Gleichzeitig profitieren auch Patientenvertreter davon, die Perspektiven von Industrie und Kostenträgern kennenzulernen. Ein Verständnis für den Kontext von gesundheitspolitischen Entscheidungsprozessen bewahrt davor, die eigenen Forderungen mit Scheuklappen vor sich hin zu beten und auf Verbesserung zu hoffen.

Zentral für die Vernetzung von Patientenvertretern mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen ist: Kommunikation und gegenseitiges Verständnis ist der Schlüssel für gemeinsame Lösungen in der Gesundheitsversorgung. Kommunikationsbarrieren und Vorurteile gegenüber der „Gegenseite“ müssen weiter abgebaut werden. Es muss ein Gefühl dafür entstehen, dass Kommunikation auf Augenhöhe möglich ist.

Veranstaltungen wie das tranSektoris-Programm geben eben diese Möglichkeit zum Austausch auf Augenhöhe. Alle Teilnehmenden waren dafür dankbar. Ich würde jederzeit wieder mitmachen!

Wir bedanken uns herzlich für das Interview! 

Mehr über tranSektoris erfahren Sie hier

Zurück